Reischdorf
hat ein Rathaus, zwei Volksschulen, einen Kindergarten, ein Zweigpostamt
und eine Raiffeisen-kassa. Seit 1911 besteht eine Wasserleitung, seit 1921
hat der Ort elektrische Beleuchtung.

Die Bewohner von Reischdorf beschäftigen
sich im wesentlichen mit Hausierhandel, Industrie und Landwirtschaft.Die
Landwirtschaft liefert nur geringe Erträgnisse. Von einiger Bedeutung
ist der Flachsanbau, der sich in letzter Zeit ziemlich gehoben hat. Die
Anbaufläche betrug im Jahre 1940 45 ha. (Im Jahre 1920 nur 2-3
ha). Auf dem Gebiete des. Flachsanbaues marschiert Reischdorf an der Spitze
aller Gemeinden des Preßnitzer Landkreises.
Die Reischdorfer Industrie erzeugt Spitzen,
Vorhänge, Wäsche, Schnittwaren, Strümpfe, Trikotagen
und Modewaren. Diese Erzeugnisse werden vielfach von Hausierhändlern
im ganzen Sudetenland und darüber hinaus verkauft. Die Zahl der Reischdorfer
Hausierer hat abgenommen. Vor 1938 gab es in Reischdorf rund 350
Hausierer, jetzt (1940) nur noch etwa 175. Viele jüngere Händler
wurden ihrem erlernten Berufe wieder zugeführt.
Reischdorf ist eine alte deutsche Siedlung;
die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1449. Wann der
Ort gegründet wurde, ist nicht bekannt. Reste alter Haldenzüge
lassen auf früheren Bergbau schließen. Als der Bergbau in unserer
Gegend blühte, betätigten Sich die Reischdorfer vielfach als
Händler und Fuhrleute, um die Gebirgler mit Lebensmitteln zu
versorgen, die aus dem innern Böhmens herangeschafft wurden.
Als nach dem Niedergange des Bergbaues die
Spitzenklöppelei in Schwung kam, gingen viele Reischdorfer Händler
mit Klöppelspitzen und Putzsachen in die weite Welt hinaus. Sie trugen
ihre Waren in besonderen Kästen auf dem Rücken und kamen oft
Jahrelang nicht heim.
Obzwar Schmalhans oft Küchenmeister war,
So haben sich die Reischdorfer doch ihren heiteren, lebensbejahenden Sinn
bewahrt. Die Reischdorfer sind sehr bekannt, sie sind ein derber
Menschenschlag mit etwas rauher Schale, aber gut mutig und mitteilsam.
Ungeschickt angefaßt, kann sich der
sonst gemütliche ReiSchdorfer als recht grob zeigen. Bekannte Reischdorfer
Figuren waren früher: der Rußbutten, der Meerrettich-Mann, der
verschrobene Köhler, der ",reelte" Torfhändler, der witzige Fuhrmann
und der schlaue „Zwieblseff"- Heute Sind diese Typen nahezu ausgestorben.
Reischdorf hat eine sehr hübsche Umgebung-
Der Kammweg Reischberg-Sandberg-Pöllmaer Höhe gehört zu
den schönsten Höhenwegen unserer engeren Heimat. Eine wundervolle
Aus- sicht bietet sich vom Reischberg, besonders gegen Abend, wenn die
Sicht klar ist und die Schatten länger werden. Im Norden zeichnet
sich der Haßberg am Horizont, während der Spitzberg als abgeschnittene
Kuppe erscheint. Rechts davon erblicken wir den Bärenstein; es zeigt
sich auch die Kuppe des Pöhlberges bei Annaberg. Im Südwesten
hebt sich der unbewaldete Kupferbübel scharf ab; dahinter thronen
der Keilberg und der Fichtelberg, die Wahrzeichen unseres Erzgebirges.
Im Osten sehen wir natürlich gute Fernsicht vorausgesetzt - die Launer
Berge, ja selbst den Georgsberg bei Raudnitz.im Süden das Silberband
der Eger, Kaaden, die Saazer Ebene, das Duppauer Gebirge und Keile des
Kaiserwaldes. Ganz in der Nähe fesselt uns der „Schweiger" bei Sonnenberg.
Emil Iser
Das Forum für die Heimatfreunde
von Reischdorf, finden Sie unter der Homepage von Gerd
Renner.