Aus einer alten Chronik
Bettlern
Das Dörflein Bettlern
mit seinen 61 Häusern liegt in etwa 520 m Seehöhe im Tale des
Kollabaches.
Die wärmenden Sonnenstrahlen
ermöglichen hier, am Südabhange des Gebirges, bereits den Obstbau.
Allenthalben sieht man Obstbäume auf den Fluren. Der 461 ha umfassende
Grund der Gemeinde Bettlern weist ziemlich ertragreichen Boden auf, Wald
gibt es wenig. Die Bewohner beschäftigen sich zum größten
Teil mit Landwirtschaft; im Vordergrund steht der Getreidebau. Ein Teil
der 269 Bewohner geht zur Arbeit in die Fabriken von KlösterIe
und Meretitz. Dorthin fahren sie zumeist mit dem Autobus, der auf der Strecke
Kaaden-Klösterle-Weipert verkehrt. Die Straße, die Bettlern
mit Klösterle und Kupferberg verbindet und den Anschluß an das
Eisenbahnnetz herstellt, wurde im Jahre 1910 erbaut. Etwas älter ist
die Straße nach Tomitschan.
Der Ort hat eine einklassige
Volksschule und einen Kindergarten. Die Volksbücherei zählt
über 200 Bände. Bettlern gehört zur Pfarrgemeinde Klösterle
und hat eine Filialkirche.
Wann der Ort gegründet
wurde, ist nicht bekannt. Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahre
1358. Bettlern gehörte durch Jahrhunderte hindurch zur Herrschaft
Klösterle. Die Gemeinde Bettlern umfaßte (bis 1891) auch die
Orte Pöllma, Kunau und Haadorf.
Bettlern war früher
in kirchlicher, schulischer und verwaltungsmäßiger Hinlicht
ein Mittelpunkt des Erzgebirges um Klösterle. Heute hat es an Bedeutung
verloren. Auch die Einwohnerzahl ist gesunken. 1880 hatte Bettlern 355
Einwohner, heute nur noch 269.
Adolf Schmidl.
Aus alter Chronik
Böhmisch-Hammer.
Die Gemeinde Böhmisch-Hammer
liegt an der Grenze zu Sachsen Der Ort ist 385 ha groß und hat 58
Häuser mit 419 Einwohnern (194 männlich, 225 weiblich). Höhenlage:
800 m.
Die Bewohner sind zumeist
Industriearbeiter, die zum Teil im Orte, zum Teil in Weipert beschäftigt
sind. Einige Landwirte treiben Milchwirtschaft. In Böhmisch-Hammer
gibt es eine Weberei, ein Hartsteinwerk, eine Handschuhstickerei und ein
Sägewerk.
Der Ort hat eine einklassige
Volksschule, einen Kindergarten und eine Poststelle. Die Gemeindebücherei
zählt 200 Bände. Böhmisch-Hammer ist nach Böhmisch-Wiesenthal
eingepfarrt.
Als selbständige
Gemeinde besteht Böhmisch-Hammer erst feit 1925; vorher gehörte
der Ortsteil „Lauxmühle" zu Schmiedeberg und der Teil „Böhmisch-Hammer"
zu Weipert. Die beiden Teile sind auch heute noch erkennbar.
Böhmisch-Hammer
ist ein bekannter Ausflugsort und wird auch von Sommerfrischlern gerne
besucht. Der Ort hat drei Großgasthöfe.
Die Verkehrslage ist
günstig. Böhmisch-Hammer liegt an der Eisenbahnstrecke Komotau-Weipert
und an der Autobuslinie Chemnitz-Karlsbad; auch sind die Autobusse auf
sächsischer Seite leicht erreichbar.
Von drei Teilen ist
Böhmisch-Hammer von bewaldeten Höhen umgeben. Von Westen her
grüßt der schöngeschwungene Rücken des Fichtelberges
(1213 m). Sehenswert ist der Säulen-Basalt am Steinberge.
Josef Pöschl.
Aus alter Chronik
Preßnitz.
Hoch oben im Erzgebirge,
umrauscht von bewaldeten Bergen, liegt in einer freundlichen Talmulde die
alte Berg-Stadt Preßnitz.
Das Gemeindegebiet umfaßt
1291 ha und zählt 454 Häuser mit rund 2500 Einwohnern. Der Ort
liegt über 700 m hoch (Marktplatz 720 m. Kirchenschwelle 727 m).
Preßnitz ist der
Hauptort des gleichnamigen Landkreises. Als Kreisstadt ist Preßnitz
der Sitz eines Landratsamtes (mit Kreisschulamt, Gesundheitsamt, Fürsorgeamt,
Wirtschaftsamt, Jugendamt, Ernährungsamt us.). Ferner hat Preßnitz
ein Stadtamt, ein Finanzamt, ein Amtsgericht (mit Grundbuchs-amt) und ein
Postamt. Auch ist Preßnitz Standort eines Gendarmeriekreises und
eines Gendarmeriepostens.
Außerdem befindet
sich im Orte eine Graf Buquoy'sche Forstverwaltung, eine städtische
Revierförsterei und eine staatliche Revierförsterei (Spitzberg).
Der Ort hat drei Geldanstalten: die Zweigstelle Preßnitz der Komotauer
Sparkasse, die Filiale Preßnitz der Kreditanstalt der Deutschen und
die Volksbank Preßnitz.
An Schulen finden wir
in Preßnitz: eine Volksschule, eine Hauptschule, eine städtische
Musikschule und einen Kindergarten.
Preßnitz ist der
Sitz eines katholischen Dekanatamtes. Die katholische Pfarrgemeinde besteht
Seit dem 13. Jahrhundert;
sie umfaßt die
Orte Preßnitz, Dörnsdorf, Orpus, Pleil-Sorgenthal und Hegerhaus
(Gemeinde Christofhammer). Die Kirchenbücher gehen zurück bis
1811, bruchstückweise bis 1688. Seit 1904 besteht im Orte eine evangelische
Predigtstation.
Seit 1905 hat Preßnitz
eine vorzügliche Hochquellenwasserleitung und seit 1920 elektrische
Beleuchtung.
Die Ortsbewohner sind
in den verschiedensten Berufen tätig; sie beschäftigen sich in
der Landwirtschaft, in der Textilindustrie, in der Forstwirtschaft, im
Gewerbe und im Handel.
Viele stehen in öffentlichen
Diensten als Angestellte und Beamte. Das Reisen mit Musik hat stark abgenommen.
Die. einheimischen Textilbetriebe erzeugen Spitzen, Strümpfe, Strick-waren,
Vorhänge, Wäsche, Schürzen u, a.
Die Verkehrslage des
Ortes ist seit der Einführung des Autobusverkehrs nicht ungünstig.
Es führen Autobusse nach:
Weipert-Chemnitz, Kaaden
und Komotau. Ein Postautobus fährt vom Marktplatz zur Bahnstation,
die 3 km vom Orte entfernt ist.
Preßnitz ist ein gemütliches
altes Städtchen. Inmitten des Ortes breitet Marktplatz aus. Auf diesem
Platze steht ein herrschaftliches Schloß, das vor mehr als 400 Jahren
erbaut wurde. Im Schlosse sind u. a. das Kreisschulamt und die Graf Buquoy'sche
Forstverwaltung untergebracht. Vor dem Schlosse finden wir einen kleinen,
schattigen Park mit hohen Bäumen, Blumenbeeten, Rasenflächen
und wohlgepflegten Wegen. Mehrere Bänke laden zum Ausruhen ein. Auf
dem Marktplatze befinden sich das Landratsamt, das Finanzamt, das Postamt,
die Apotheke und. das Tonfilmkino (im Hotel „Roß"). Nicht weit vom
Kino steht das Knebelsbergerhaus; hier lebte durch mehr als 20 Jahre Leopold
Knebelsberger, der Komponist des Andreas-Hofer-Liedes. Am südlichen
Ende des Marktplatzes liegt der Rathausplatz. Hier steht das altehrwürdige,
mit einem Turme versehene Rathaus, das
im Jahre 1554 erbaut wurde. Im Rathausgebäude
befindet sich das Stadtamt und das Amtsgericht. Das Haus Nr. 373 beherbergt
das sehr sehenswerte Städtische Museum mit zahlreichen Gegenständen
aus fernen Ländern, insbesondere aus Ostasien.
Über den Häusern
der inneren Stadt thront die Dekanalkirche mit ihrem schönen Spitzturm.
Diese Kirche wurde 1583 erbaut. Neben der Kirche steht die städtische
Musikschule, die schon hunderte von tüchtigen
Musikern herangebildet hat. Im Musikschulgebäude ist auch die Gemeindebücherei
untergebracht, sie umfaßt rund 4000 Bände. Gehen wir vom Marktplatz
aus durch das schmale Apothekergäßchen, So kommen wir zum Schulhause,
einem imposanten Gebäude, das im Jahre 1898, errichtet wurde. Wenn
wir die Kaadner Straße entlang wandern ,so kommen wir zur Nikolai-Kirche.
Diese Kirche stand schon vor dem Jahre 1462, kann also auf mindestens ein
halbes Jahrtaufend zurückblicken. Um die Nikolai-Kirche herum
breitet sich der idyllisch gelegene Preßnitzer Friedhof aus; im Friedhof
ist der Standplatz eines Kriegerdenkmals, das der Bildhauer Oswald Hofmann
geschaffen hat. In der Kirche selbst ist der weltberühmte Gelehrte
Bohuslaw von Lobkowitz begraben. In der Kaadner Straße sehen wir
auch das Ignaz-Walter-Haus. Hier wohnte vor vielen Jahren der vor vorzügliche
Harfenspieler Ignaz Walter, der von 1776 bis 1792 Bürgermeister von
Preßnitz war. Ignaz Walter legte den Grund zur Entstehung der bekannten
Preßnitzer Musikkapellen. Die Joachimsthalerstraße führt
uns zur Schwedenlinde, die uns an den Dreißigjährigen Krieg
erinnert. Wir kommen zum Freibad und Schließlich zur staatlichen
Revierförsterei Spitzberg.
Preßnitz liegt
am Preßnitzbache, der nach Sachsen fließt und in die Zschopau
mündet.
Die freie Bergstadt
Preßnitz ist einer der ältesten Orte des Erzgebirges. Schon
im Jahre 1335 wird Preßnitz als Marktflecken genannt. 3m Jahre 1546
wird Preßnitz von Kaiser Ferdinand I. zur freien Bergstadt erhoben.
Infolge des Bergbaues blüht Preßnitz empor und wird zu einem
bedeutenden Orte. Dann kommt der große Rückschlag: der Dreißigjährige
Krieg! Schwedenheere verwüsten die Gegend. Der Bergbau verfällt.
Hunger und Pest dezimieren die Bevölkerung.
Nach dem Dreißigjährigen
Kriege wird der Bergbau wieder aufgenommen, kann aber seine frühere
Bedeutung nicht mehr erlangen. Als neuer Erwerbszweig wird Im 17. Jahrhundert
die Spitzenklöppelei eingeführt. Der siebenjährige Krieg
bringt neue Qualen für die Bevölkerung: Truppendurchzüge,
Requisitionen, Einquartierungen und schließlich Hungersnot.
Im Jahre 1811 brannte
die Stadt fast vollständig nieder. Von 373 Häusern blieben nur
66 übrig. Nach dem großen Brande kommt das Reisen mit Musik
sehr in Schwung. „Preßnitzer Musikanten" hat es aber schon lange
vorher gegeben. So musizierten bereits um 1770 Preßnitzer Kapellen
in Karlsbad während der Kurzeit. Die Preßnitzer Musik-kapellen
waren im 19. Jahrhundert und in der Zeit vor dem Weltkriege weithin berühmt;
Sie bereisten die ganze Welt, insbesondere den Orient. In der heutigen
Zeit hat das Reisen mit Musik an Bedeutung sehr verloren.
© bei G.H. Aue